Einführungsbeitrag zur Neufassung der DIN EN 12779

Holzbearbeitungsmaschine mit angeschlossenen Abluft-Saugleitungen / VDMA Mitgliedsunternehmen

Sicherheit von Holzbearbeitungsmaschinen — Ortsfeste Absauganlagen für Holzstaub und Späne — Sicherheitstechnische Anforderungen.

Die DIN EN 12779:2016 ist die deutsche Fassung der grundlegend überarbeiteten EN 12779:2004+A1:2009 und wird sie ab März 2016 ersetzen. Die englische Fassung EN 12779 ist im November 2015 erschienen.
Die Norm enthält konkretisierte bzw. ergänzende sicherheitstechnische Festlegungen zu den einschlägigen Anforderungen von Anhang I der EU-Maschinenrichtlinie 2006/42/EG an erstmals im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) in Verkehr gebrachte Maschinen. In den Geltungsbereich der Norm fallen ortsfeste Anlagen, deren Bestimmung es ist, Holzstaub und Späne die bei der Bearbeitung von Massivholz (einschließlich Hartholz) und Holzwerkstoffen entstehen, abzusaugen, zu fördern, abzuscheiden und zeitweilig zu lagern.

Die Überarbeitung der Norm wurde notwendig, da die DIN EN 12779:2005 abgesehen von formalen Anpassungen an die EU-Maschinenrichtlinie 2006/42/EG im Jahr 2009, bereits seit Mai 2005 gültig ist und daher technisch überholt ist. Allerdings war der technische Stand der Norm bereits bei der Neuerscheinung (Mai 2005) aufgrund der vorausgehenden, langen Diskussions- und Redaktionszeit, teilweise veraltet. Das führte dazu, dass bereits im Juli desselben Jahres eine Sitzung vom VDMA Arbeitskreis „Lufttechnik Holz“ stattfinden musste, in der die Interpretation der Norm und die ersten Korrekturvorschläge diskutiert wurden. Außerdem zeigte sich zusätzlich später im Praxistest, dass in der alten Fassung eine Reihe von Bestimmungen nicht genügend durchdacht waren.

Gegen Ende 2011 wurde schließlich die Überarbeitung der Norm im Europäischen Komitee für Normung (CEN), von der Arbeitsgruppe 10 des Technischen Komitees CEN/TC 142 „Holzbearbeitungsmaschinen - Sicherheit“ in Angriff genommen und kürzlich abgeschlossen.
Bei der Überarbeitung wurden die nationalen Interessen vom Arbeitsausschuss NA 060-09-50 AA „Entstaubungsanlagen“ im Fachverband „Allgemeine Lufttechnik" des DIN-Normenausschusses Maschinenbau (NAM) wahrgenommen. Vertreter der Hersteller und Anwender von Holzbearbeitungsmaschinen und Entstaubungsanlagen sowie der Berufsgenossenschaften waren ebenfalls im Ausschuss vertreten.

Alles in allem ist die Norm durch die Überarbeitung, im Hinblick auf die Anwendbarkeit und Durchführbarkeit, sowie auf die Übersichtlichkeit deutlich optimiert worden. Gleichzeitig konnte das Sicherheitsniveau wesentlich gesteigert werden. Nachfolgend soll die positive Auswirkung der Überarbeitung anhand einiger Beispiele demonstriert werden.

In der alten Fassung der Norm hat es die Forderung gegeben, dass die Schichtdicke des Filterkuchens maximal 15 mm betragen durfte (Abschnitt 5.4.1.3, Bild 5, S. 23). Dadurch sollte der geforderte Luftdurchsatz sichergestellt werden. Die direkte Messung und Überwachung der Kuchendicke ist jedoch mit keiner Messeinrichtung praktikabel umzusetzen. Daher wird in der neuen Fassung stattdessen eine Differenzdruckmessung und -überwachung vorgesehen, die wesentlich einfacher umgesetzt werden kann und auch aussagekräftiger ist.
Ein weiteres Negativbeispiel aus der alten Fassung ist die Forderung, dass die Löschleitung für die Filtereinheit einen Mindestabstand von 5 m zum Filtergehäuse aufweisen musste. Die Annahmen für den Brandfall, die dieser Bestimmung zugrunde liegen, sind nicht realitätsnah, sodass die Feuerlöschleitung gemäß der neuen Fassung der Norm auch direkt an der Filterwand liegen darf.

Im Rahmen der Überarbeitung der Norm konnten noch weitere Vereinfachungen und Ausnahmeregelungen getroffen werden. So zum Beispiel dürfen die einzelnen konstruktiven Explosionsschutzmaßnahmen von der EN 1127-1:2011 abweichen, wenn alternativ ein Muster der gesamten Anlage einem Explosionstest unterzogen worden ist (DIN EN 12779:2016, 5.4.3.3). Dadurch können die Kosten bei gleichbleibender Sicherheit enorm reduziert werden.
Es sind auch verschärfte Bestimmungen hinzugekommen. Als Beispiel dafür sei die Einführung von „Performance Levels (PL)“ für Sicherheitssteuerungen erwähnt. Dabei muss die Steuerung, je nach Sicherheitsrelevanz der zu steuernden Größe, unterschiedlichen Anforderungen (PL) entsprechen (Abschnitt 5.2, S.14).

Dieser kurze Überblick über die wichtigsten Änderungen der Norm soll zur Lektüre, der im März dieses Jahres erscheinenden Endfassung motivieren. Ab dem Zeitpunkt ihrer Bezeichnung als Harmonisierte Norm im Amtsblatt der Europäischen Union kann der Hersteller bei der Anwendung der DIN EN 12779:2016 davon ausgehen, dass er die von der Norm behandelten Anforderungen der Maschinenrichtlinie eingehalten hat.

Als Download anbei eine kommentierte Gegenüberstellung der DIN EN 12779:2004+A1:2009 und der DIN EN 12779:2016 in tabellarischer Form.
Die Norm ist beim Beuth Verlag in Berlin erhältlich (www.beuth.de).

Im Arbeitsausschuss NA 060-09-50 -01 AA „NWI Entstauber“ im Fachverband „Allgemeine Lufttechnik" des DIN-Normenausschusses Maschinenbau (NAM) befindet sich derzeit der neue Norm-Entwurf E DIN EN 16770:2014 ‚Sicherheit von Holzbearbeitungsmaschinen – Absauganlagen für Holzstaub und Späne für Innenaufstellung – Sicherheitstechnische Anforderungen‘ in Vorbereitung zur Formellen Abstimmung.

Autoren:
Dipl.-Ing. Ulrich Siemers; Dipl.-Ing. Walter Schellenberg (beide Rippert Anlagentechnik GmbH & Co. KG, Christine Montigny (M. Sc.) (VDMA Fachverband Allgemeine Lufttechnik)

KONTAKT
Christine Montigny
DIN-Normenausschuss Maschinenbau (NAM) im VDMA
Fachverband Allgemeine Lufttechnik; Fachabteilung Luftreinhaltung
Telefon: +49 69 66 03 18 60
christine.montigny@vdma.org
www.lr.vdma.org

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