BIM reduziert nicht die Kosten, aber die Risiken

VDMA

Bei hochsommerlichen Temperaturen traf sich die Gebäudetechnikbranche am 29. Mai in Berlin zu einem Fachgespräch, um die Digitalisierung mit BIM-Methoden im Hochbau zu diskutieren.

Anlass der Veranstaltung war der Runderlass des Bundesbauministeriums, der Anfang des Jahres an 16 Bauverwaltungen der Länder versendet wurde. Nach diesem Runderlass ist ab sofort bei neuen zivilen Neu-, Um- und Erweiterungsbauvorhaben mit einem geschätzten Baukostenvolumen ab 5 Mio. Euro zu prüfen, ob eine digitale Unterstützung im Sinne der Anwendung von Building Information Modeling Methoden (BIM) im Hochbau der öffentlichen Hand sachdienlich sein könnte.

Lothar Fehn Krestas, Unterabteilungsleiter Bauwesen, Bauwirtschaft im Bundesbauministerium stellte in seiner Keynote klar heraus, welche Funktionen die öffentliche Hand beim Einsatz von BIM-Methoden einnimmt. Sie soll Anreize schaffen, motivieren, Schnittstellen organisieren und auch sicherstellen, dass offene Standards mit OpenBIM eingesetzt werden. Das Bauministerium fördert die Digitalisierung des Bauwesens und hat mit dem Erlass einen Startschuss gegeben.

„Der Einsatz von BIM reduziert nicht die Kosten, aber die Risiken. Wichtig sei, die KMU-Strukturen der deutschen Bauwirtschaft mitzunehmen, betonte Fehn Krestas.

Die Erwartungen der am Bau Beteiligten sind deckungsgleich. Planer und Bauausführende wünschen sich eine effiziente, fehlerfreie und einfache Recherche der Produktinformationen. Die Nutzer wünschen sich über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks redundanzfreie Produktinformationen und einen standardisierten, strukturierten Informationsaustausch. Kurzum: Jedes Küchengerät hat eine Betriebsanleitung, aber Gebäude haben keine?! Das gilt es zu ändern, forderte Fehn Krestas.

In seinem Fazit verwies er noch einmal darauf, dass die BIM-Methode alleine weder eine gute Planungsqualität noch einen optimalen Projektverlauf garantiert. Entscheidend ist die qualifizierte Anwendung durch die Projektbeteiligten.

Für Eric Giese, Fachbereichsleiter BIM – Planer und Architekten Office bei Siemens Building Technologies, ist klar, dass BIM nur möglich ist, wenn alle mitmachen. Gerade die Gebäudetechnik muss viel früher und stärker in den Planungsprozess integriert werden, forderte er. Wenn man sich die Kostenverteilung über die gesamte Nutzungsdauer eines Gebäudes anschaut, wird deutlich, dass der größte Teil – ca. 80 Prozent - in den Betriebskosten von Gebäuden liegen. Hiervon sind ca. 40 Prozent Energiekosten, auf die die Gebäudetechnik direkt einwirken und optimieren kann. Die hohe Relevanz der Gebäudetechnik ist für den Erfolg von BIM verantwortlich, so Giese.

Giese verwies noch einmal auf die gesamte deutsche Gebäudetechnikbranche, die leider aktuell noch nicht auf einem gleich hohen Digitalisierungslevel angelangt sei.

Ministerialrat Torsten Wenisch erläuterte die aktuellen Entwicklungen zum Thema BIM als Vorsitzender des AMEV (Arbeitskreis Maschinen- und Elektrotechnik staatlicher und kommunaler Verwaltungen) sowie als Leiter des Referats Ingenieurtechnik, Energie und Gebäudemanagement im Ministerium für Finanzen Baden-Württemberg. Auch er ist überzeugt, dass die Digitalisierung im Baubereich mit BIM rasant wachsen wird. Es gelte vor allem, das Problem der nicht abgeschlossenen Normung verbunden mit der Festlegung standardisierter Schnittstellen insbesondere für das sogenannte Open-BIM zu lösen. Um die Anforderungen an BIM als Bauherr für die Projektbeteiligten klar zu definieren, muss darüber hinaus der Fachverstand auf Auftraggeber-Seite gesichert werden, betonte er. Mit Blick in die Zukunft und auch ausgehend von aktuellen Cyber-Angriffen wies Wenisch auch darauf hin, dass die IT-Sicherheit unbedingt beachtet werden muss.

Wenisch skizzierte auch kurz das Ergebnis der BIM-Abfrage im Rahmen des Erfahrungsaustausches auf der AMEV-Frühjahrstagung 2017. Die BIM-Aktivitäten im Bereich staatlicher und kommunaler Verwaltungen sind noch sehr zurückhaltend und nur vereinzelt erfolgen erste Schritte zur Einführung von BIM bzw. der Durchführung von BIM-Pilotprojekten. Das Bild des „neuen digitalen Zeitalters“ im Baubereich spiegelt sich daher noch nicht in der Umfrage wider.

In der Podiumsdiskussion, moderiert von Dr. Thomas Schräder (Geschäftsführer des Fachverbandes Allgemeine Lufttechnik und Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Instandhaltung Gebäudetechnik im VDMA), nahm auch ein führender Hersteller von Installationstechnik für Sanitär und Heizung teil. Werner Schulte, Leiter Technisches Marketing von Viega Technology GmbH & Co KG, berichtete von seinen wertvollen Erfahrungen, die er auf rund 20 Viega BIM-Veranstaltungen bereits im vergangenen Jahr mit den TGA Planern gesammelt hat.  Er sieht vor allem die Notwendigkeit, dass zur realen Bedarfsplanung alle Informationen schon frühzeitig vorliegen müssen. „Vorausschauende integrale Planung ist die wichtigste Voraussetzung für BIM; und die TGA hat hier eine Schlüsselposition“, sagte Schulte.

Ob sich BIM für die Gebäude mit dem vom BMVI (Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur) erlassenen Stufenplan synchronisieren lässt, wird sich erst noch zeigen. Die elementare Ebene ist gleich, die Planungsprozesse für Gebäude sind eben in weiten Teilen andere als die für Straßen, sagte Fehn Krestas.

Alle Diskutanten waren sich einig, dass die Gebäudetechnik einen essentiellen Beitrag liefert, wenn es um den Einsatz von BIM-Methoden geht. Es gilt jetzt, Pilotprojekte zu starten und „Use Cases“ zu entwickeln. Der Mittelstand darf nicht abgehängt werden. Die Einführung von BIM-Methoden braucht aber auch ausreichend Zeit. Dass auf der Baustelle alles digital abläuft, wird nicht über Nacht kommen.

Bei der Frage, ob es in Zukunft zertifizierte Zugangsberechtigungen zu BIM Projekten und Prozessen geben wird, steht die Forderung für alle fest: Keine Zertifizierung, sondern Normierung. Dieser Schlusssatz bestätigte die Forderung des VDMA Forum Gebäudetechnik, welche Uwe Großmann, Vorsitzender des VDMA Forum Gebäudetechnik, in seiner Begrüßungsansprache an alle Gäste richtete.

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